17.02.


Gewalt ohne Grenzen?

Podiumsdiskussion mit Katja Kraus, Liam Draf, Christoph Holstein, Patrick Ittrich, Lars Pegelow (Moderation)

© Raphael Merkle
© Raphael Merkle

Fußball- und Fankultur in Europa

Zum Festivalabschluss diskutieren wir ein Jahr nach der Europa-Wahl auf Einladung des Eimbütteler Turnverbandes Hamburg diese und andere Fragen mit  

 

Katja Kraus Autorin, Geschäftsführende Gesellschafterin Jung von Matt/SPORTS

Liam Draf Schiedsrichter Landesliga

Christoph Holstein Staatsrat der Behörde für Inneres und Sport (Bereich Sport)

Patrick Ittrich Bundesliga-Schiedsrichter

Lars Pegelow NDR 90,3 Sportredaktion (Moderation)

 

An jedem Champions-, Europa-League-Spieltag und bei Spielen der Nationalmannschaften profitieren mehrere zehntausend Auswärtsanhänger von freien Grenzübergängen und einer gemeinsamen Währung in den meisten Teilen Europas. Viele nutzen diese Freiheiten, ohne sich ihrer bewusst zu sein. Im Gegenteil: Während die Europäische Union sich weiterhin in der Krise mit den Themen Euro, Brexit und Migration befindet, machen sich Europaskepsis und Nationalismus mit Gewalt breit – auch in Stadien und nicht nur unter Fans. In den Profiligen und im Amateurfußball lassen Diskriminierung, rassistische Anfeindungen und gewaltsame Übergriffe gemeinsame Werte vergessen. Spieler*innen, Schiedsrichter*innen und Trainer*innen fordern Konsequenzen auf nationaler und internationaler Ebene. Die Kampagne « No room for racism » in den Stadien der Premier League ist nur eine Antwort darauf. Kann eine Ausweitung von Strafmaßnahmen auf europäischer Ebene der zunehmenden Verrohung Einhalt gebieten? Wie sind Rivalität und Fairness vereinbar? Hat der Profifußball mit Gewinnspannen, die größer sind als im Drogenhandel, versäumt, seine gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen? Und wie können Breiten- und Profisport im Bereich von Fankultur und Jugendarbeit dazu beitragen, gemeinsame europäische Werte zu stärken? 

 

Alors que l'Union européenne est en crise entre l'euro, le Brexit et la migration, l'euroscepticisme et le nationalisme se font entendre par la force – même dans les stades et pas seulement parmi les supporters. Dans la ligue professionnelle et dans le football amateur, la discrimination, l'hostilité raciste et les attaques violentes font oublier les valeurs communes. Les joueurs et les joueuses, les arbitres et les entraîneurs exigent des conséquences au niveau national et international. Une extension des mesures punitives au niveau européen peut-elle mettre un terme à l'augmentation de la violence? Comment concilier rivalité et équité pour ne pas tomber dans l´hostilité et la violence? Le sport professionnel avec des marges bénéficiaires supérieures à celles du trafic de drogue a-t-il raté sa responsabilité sociale? Et comment le sport de masse et le sport professionnel au niveau de la culture des supporters et du travail avec les jeunes peuvent-ils contribuer à renforcer les valeurs européennes communes?

 

Wir danken dem ETV Hamburg für die große Unterstützung.

 

Donnerstag, 27. Februar, 19 Uhr Filmvorführung, 19.30 Uhr Podiums-

 

diskussion | Jeudi le 27 février, 19h projection de film, 19h30 débat public, ETV-Oberhaus, Bundesstraße 96, Hamburg, Eintritt frei | entrée gratuite, um Anmeldung wird gebeten unter info@arabesques-hamburg.de.

 

 

 

Die Podiumsteilnehmer

Katja Kraus © Jung von Matt/SPORTS
Katja Kraus © Jung von Matt/SPORTS

Katja Kraus, geboren am 23.11.1970 in Offenbach

Autorin, Geschäftsführende Gesellschafterin Jung von Matt/SPORTS.

Acht Jahre lang war Katja Kraus im Vorstand des Hamburger SV und damit die einzige Frau im Management des deutschen Profifußballes auf Vorstandsebene. Nach ihrem Germanistikstudium und ihrer aktiven Fußballzeit begann sie als Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt. In ihrer Karriere als Torfrau wurde sie mit dem FSV Frankfurt von 1986 bis 1998 drei Mal Deutscher Meister und vier Mal Pokalsieger. Sie bestritt sieben Länderspiele und nahm an den Olympischen Spielen 1996 teil. Im Frühjahr 2013 hat Katja Kraus ihr erstes Buch mit dem Titel „Macht: Geschichten von Erfolg und Scheitern“ veröffentlicht. Noch im selben Jahr stieg sie als geschäftsführende Gesellschafterin in die Sportmarketing-Agentur Jung von Matt/SPORTS ein.

Von 2014- 2019 war sie Mitglied des Aufsichtsrates der Adidas-Group. Im Februar 2015 erschien ihr zweites Buch "Freundschaft - Geschichten von Nähe und Distanz“.

2019 gründete sie zusammen mit Ihrer Frau Dr. Katrin Suder die Firma TAE, um die Wirkungskraft von Führungsfrauen zu fördern und mehr Diversity in Deutschlands Führungsstrukturen zu bringen. 

© Liam Draf
© Liam Draf

Liam Draf wird als erstes von drei Kindern am 28.08.1999 in Hamburg vor seinen Geschwistern Zoe und Leander geboren. Nach seinem Abitur 2017 geht er zunächst ein Jahr auf Reisen nach Australien und Neuseeland, bevor er im Oktober 2018 sein Jurastudium in Göttingen aufnimmt. Seine Laufbahn als Schiedsrichter begann im Herbst 2013 – zunächst zur Aufbesserung des Taschengeldes – beim SC Nienstedten. Eher zufällig nahm er 2015 an einem Auswahl-Lauftraining für Schiedsrichter teil, das Pfeifen war erst ab da ein von ihm ehrgeizig verfolgtes Hobby. Ab 2015 durchläuft Liam Draf mit großer Anerkennung die untersten Ligen und wird mit 18 Jahren im VSA Hamburg in der Landesliga als seiner höchsten zu pfeifenden Spielklasse aufgenommen. Auch nach seinem Wechsel in den Niedersächsischen Verband 2018 ist er weiterhin in der Landesliga tätig. Gewalt im Amateurfußball hat er bis heute mehrfach und regelmäßig erlebt. Eine genaue Statistik seiner Spiele liegt ihm nicht vor, aber er geht davon aus, dass ca. 70 % aller von ihm gegebenen Feldverweise auf Gewalthandlungen auf dem Fußballfeld zurückzuführen sind – in Niedersachsen, Hamburg, im Herren- und im Juniorenbereich.

Christoph Holstein © Landessportamt
Christoph Holstein © Landessportamt

Christoph Holstein, Staatsrat der Behörde für Inneres und Sport, Bereich Sport, geboren am 18. November 1963 in Essen,

verheiratet, zwei Kinder

 

Studium von Germanistik, Politik und Geschichte; Journalist und Pressesprecher. 1993 bis 1998 Journalist, Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag. 1998 bis 2001 Pressesprecher; Behörde für Inneres, Hamburg. 2001 bis 2004 Pressesprecher SPD-Landesorganisation, Hamburg. 2004 bis 2011 Pressesprecher SPD-Bürgerschaftsfraktion, Hamburg. 2011 bis 2015 Leiter der Pressestelle des Senats und Senatssprecher, Hamburg. Seit 17. April 2015 Staatsrat der Behörde für Inneres und Sport, Bereich Sport

Patrick Ittrich © Thomas Böker / DFB
Patrick Ittrich © Thomas Böker / DFB

Patrick Ittrich, geboren am 3. Januar 1979 in Hamburg ist Fußballschiedsrichter. Im Hauptberuf als Polizeibeamter tätig, ist er für seinen Heimatverein, den Mümmelmannsberger SV Hamburg, seit 2003 als DFB-Schiedsrichter aktiv. Seitdem leitete er zahlreiche Partien in der früheren Oberliga Nord (Saison 2006/2007 und 2007/2008), der früheren Regionalliga Süd (2007/2008) sowie den laufenden Regionalligen Nord (2003/2004 und 2007/2008 bis 2011/2012) und West (2008/2009, 2011/2012) sowie der 3. Liga (seit 2008/2009). In der 2. Fußball-Bundesliga findet er seit der Saison 2009/2010, im DFB-Pokal seit der Folgesaison Einsatz. Mit Stand 26. Oktober 2013 leitete er 98 Spiele, darunter bislang sechs in der laufenden Saison 2013/2014. Neben dieser Tätigkeit als erster Schiedsrichter, bei der er im Januar 2016 als Aufsteiger in die 1. Fußball-Bundesliga nachrückte, ist Ittrich auch als Schiedsrichter-Assistent aktiv. Dabei bestritt er, mit wechselnden Gespannen, bereits FIFA-Freundschaftsspiele, Qualifikationsspiele zur UEFA Champions League sowie Begegnungen in der UEFA Europa League und der Bundesliga. Im November 2011 rettete Ittrich gemeinsam mit den weiteren Assistenten Holger Henschel und Frank Willenborg dem Hauptschiedsrichter Babak Rafati das Leben. Vor dem Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem 1. FSV Mainz 05 fanden diese ihn in seinem Hotelzimmer vor und leisteten nach einem Suizidversuch erste Hilfe. Sein erstes Spiel als Hauptschiedsrichter in der 1. Bundesliga war am 13. Februar 2016 die Partie des VfL Wolfsburg gegen den FC Ingolstadt 04. Am 26. Mai 2017 leitete er das Hinspiel der Relegation zur 2. Fußball-Bundesliga 2017/18 zwischen Jahn Regensburg und TSV 1860 München.

© Lars Pegelow
© Lars Pegelow

Lars Pegelow, NDR 90,3 Sportredaktion. Jahrgang 1970, verheiratet, vier Kinder, Hamburger, nach Abitur und Studium der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte seit 1996 bei NDR 90,3. Seither begleitet er den HSV auf Schritt und Tritt und hat mehr als 800 Spiele in der Bundesliga, im DFB-Pokal, Champions League und zahllosen weiteren nationalen und internatioanlen Wettbewerben kommentiert.

Und so wird er beim NDR vorgestellt, das gefiel uns so, dass wir es zitieren möchten:

 

"Geboren in: Hamburg

Das wollte ich als Kind werden: Tennis-Profi

Das mache ich bei NDR 90,3: HSV-Reporter

Mein schönstes Erlebnis: Am Abend nach einem HSV-Bundesligaspiel habe ich Ex-Profi Collin Benjamin an einer Tankstelle getroffen. Ich brauchte dringend Windeln für meine kleine Tochter. An der Tanke gab es keine, also hat "Collo" mich zu sich nach Hause gelotst. Er hatte auch gerade ein kleines Kind, und als wir bei ihm ankamen, hatte seine Frau für mich ein Tütchen Windeln vorbereitet.

Das war mir peinlich: Bei einer China-Reise des HSV war eine Delegation des Deutschen Bundestages zu einem Fußball-Empfang im Stadion von Shanghai eingeladen. Ich habe einer Assistentin des späteren Wirtschaftsministers Brüderle ein Glas Rotwein über die weiße Bluse gegossen. Das gab ein Geschrei...

Mein Lebensmotto: Man kann nicht alles unkommentiert lassen!

Das esse ich am liebsten: Königsberger Klopse

Auf eine einsame Insel nehme ich mit: Badehose, Fahrrad, Laufschuhe

Das mache ich, wenn ich nicht bei NDR 90,3 bin: Dann treibe ich selbst allen möglichen Sport: Joggen, Tennis und einiges mehr. Und abends, tja, dann gucke ich Fußball im Fernsehen...

Da bin ich gerne, wenn ich nicht in Hamburg bin: Am Wilden Kaiser in Österreich.

Deshalb liebe ich es, nach Hamburg zurückzukehren: Nach einem HSV-Auswärtsspiel nachts zurückzufahren, kurz vor dem Elbtunnel auf der A7 die Lichter des Hafens - wunderschön."